Single-Mama

Meine Kinderwunsch-Reise - Single-Mama

Ich bin Juliane, 43 und Single. 
Meine Kinderwunschreise begann, als ich mit 39 nach einer ungesunden Beziehung wieder alleine war.

 

Bis zu diesem Zeitpunkt waren Kinder für mich nicht wirklich ein Thema. Ich war der festen Überzeugung, dass ich keine Kinder „brauche“, um glücklich zu sein. Meine Beziehung war um einiges älter, hatte drei fast erwachsene Kinder und in meiner Vorstellung war das für mich fast sieben Jahre lang genug.
Nach dieser Beziehung orientierte ich mich neu. Lernte einen Mann kennen, wir hatten einen tollen Sommer. 
Doch dann, eine ausbleibende Periode. Nach knapp 50 Tagen bekam ich meine Periode. Einen Test habe ich nicht gemacht.
Ich war nicht erleichtert, als meine Periode einsetzte. Ich hätte mich doch freuen müssen, nicht schwanger zu sein, von einem Mann, den ich zwar mochte, aber den ich kaum ein paar Wochen kannte. Da war mehr eine Traurigkeit. Das Gefühl, etwas verloren zu haben. Das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Und dann war er da, der Gedanke, der nicht mehr gehen wollte.
Ich dachte lange nach, wie ich mit 39 einen Partner und dann auch noch ein Kind bekommen sollte. Sind wir ehrlich, das ist ohne Zeitdruck schon eine Herausforderung. 
Der Mann blieb eine Sommerromanze, auch wenn es sich noch eine Weile länger hinzog. Aber es war abzusehen, dass er nicht der Partner meines Lebens und der Vater meiner Kinder werden wird.
Oder etwa doch?
Doch dann eines Abends, er und ich alberten herum, sagte er mir: „ich habe mich bei einer Samenbank angemeldet“. Ich habe nachgefragt: warum? „Weil ich Frauen helfen will, ein Baby zu bekommen“.
Da war er wieder, der Gedanke. Greifbar, aber ich konnte ihn nicht aussprechen. Ich musste mich erst sortieren. Darüber schlafen. Könnte es so einfach sein. Wohl kaum. Oder doch? Singlemama? Will ich das? Kann ich das? 
Ein paar Tage später schrieb ich eine Nachricht, er war nicht abgeneigt. Ein gemeinsamer Termin beim Anwalt und es war alles geregelt.

Corona, Lockdown, alles zog sich so unglaublich lange hin. Ich trackte meinen Zyklus. Temperatur steigt, LH Test zeigt ES. Sieht gut aus, warum sollte es nicht klappen.
Wir haben uns getroffen, wenn es Zeit war. Monat für Monat. Nichts passierte…
Als nach mehreren Monaten nichts passierte, nahm ich die Sache in die Hand.
Tees, Mönchspfeffer, Thermometer für drin und draußen, Meditation, Frauenarzt …
Der Frauenarzt schickte mich in die Kinderwunschklinik. „Sie sind 40 und unverheiratet, da kann man eh nicht viel machen“.
In der Kinderwunschklinik kam die Blutabnahme und der Ultraschall. Ich hatte eine Zyste. Gut, wer hat die nicht. Ich habe eine wunderschöne Schleimhaut. Schön. Also ist doch alles gut.
Bei der Besprechung der Blutergebnisse dann der Hammer. „Alle Werte sind optimal, aber ihr AMH liegt bei 0,1“.
Man sagte mir, das wäre nicht weiter schlimm, wäre ich 30. Aber ich bin 40. Mit 40 ist nicht nur der Wert niedrig, sondern auch die Eizellqualität eher schlecht.
Mir liefen die Tränen über das Gesicht. Die Ärztin wollte noch mal Blut abnehmen. Die Zyste war verschwunden.

Auch die zweiten Blutergebnisse waren gleich. Man könne nichts für mich tun.

Zack, von jetzt auf gleich, keine vollwertige Frau. Nicht in der Lage, ein Kind zu bekommen. Eine Wahrscheinlichkeit, mit einer IVF (in Deutschland) schwanger zu werden bei 8 %.
Ich fuhr nach Hause, weinte und war am Boden zerstört. Kein Partner, der mich auffing.
Meine Freundin war für mich da. Hilflos hörte sie sich an, was ich zu sagen hatte. Hat selbst zwei wundervolle kleine Mäuschen, die ich sehr, sehr lieb habe.
Wir sprachen über Adoption.
Ich Single, 40. Wie groß sind die Chancen? Wohl eher gering. Auf ein Adoptionsbaby/Kind kommen 7 Paare habe ich gelesen. Die warten dann wohl nicht auf mich.

Meine Freundin erzählte von zwei Paaren, die sie kannte, die in Dänemark mit gespendeten Eizellen Eltern wurden.

Hatte ich noch nie von gehört. Ich bin ein Macher, also erst mal Googeln. Alles, was es über dieses Thema zu erfahren gab, war, in kürzester Zeit verschlungen.
Rein fachlich, check, ist #eizellspende eine Lösung.
Aber wie sieht das ethisch aus? Für mich, für meine Familie, für meine Freunde? Bin ich die Mutter? Kann ich es lieben wie mein eigenes Kind? Wie liebt man denn sein eigenes Kind? Fragen … immer mehr fragen und beantworten kann ich sie mir nur selbst …

Die Fragen in meinem Kopf wurden immer mehr. Es folgten viele Gespräche mit meinen engsten Freunden.

Nachdem ich viel darüber reflektiert habe, was ich möchte, ob es das richtige ist, ob ich das Richtige tu. Ich traf die Entscheidung. Entschied mich für eine #embryoadoption. Ab diesem Moment war ich mir sicher, das will ich machen, es ist das Richtige für mich.

Wieder einmal durchforstete ich das Internet, auf der Suche nach Möglichkeiten. Tschechien, hier benötigt man einen Partner, wäre aber in der Nähe. Österreich, auch hier benötigt man einen Partner, mit 16 kann das Kind die Eizellmama aber kennenlernen, Spanien, führend auf dem Gebiet und auch für Singlemamas kein Problem.
Ich informierte die Affäre, ich nenne ihn jetzt mal „Tom“, dass ich auf normalem Weg, vermutlich nicht schwanger werden würde. Er war betroffen, überfordert, weil ihm das vermutlich zu viel Nähe war. Ich nahm meinen Mut zusammen: würdest du mit mir nach Tschechien fahren und dort spenden, sodass das Kind einen Blutsverwandten in der Nähe hat, den es kennenlernen kann“… Puh, es war raus, er brauchte Bedenkzeit.

Eine Zeit, die ich genutzt habe, um eine der schwierigsten Hürden zu nehmen, ich erzählte meiner Mutter davon. Ich weiß nicht, was ich erwartete, als ich sie anrief. Für die Reaktion meiner Mutter werde ich ewig dankbar sein: „Welches Risiko hast du dabei“, war alles, was sie fragte. Das normale Risiko schwanger mit 40 zu sein.
„Wenn es das Richtige für dich ist, und du dir sicher bist, komm’ ich mit, wenn du mich benötigst“.

Das Gespräch mit Tom dann weit weniger erfreulich. „Du solltest der Natur ihren lauf lassen und es sein lassen“. Aus seinem Blickwinkel verstehe ich ihn. Er hat zwei kleine Jungs. Er sieht nicht, wie er mir da helfen könne.
Ich hätte doch so gern einen Teil der Gene gekannt, die in mir heranwachsen würden. Ich legte auf, wir hörten nicht mehr voneinander. Er fehlt mir, ich hatte mich in den Gedanken verliebt, ihn als „Vater“ meines Kindes zu haben. Ich werde ihm auf ewig dankbar sein, dass er mir die Chance gegeben hat, mein #wunschkind zu bekommen.

Der vermeintliche „Papa“ war weg, ich war wieder auf mich gestellt bei der Erfüllung meines #herzenswunsch.
Ist das besser für mich? Ja, bei längerer Betrachtung ist das viel besser.
Meine Überlegungen dazu, wie erkläre ich dem Eisbärchen, dass es einen Papa gibt, der nur 20 km entfernt wohnt, der aber keinen Kontakt möchte, bis das Bärchen selbst danach fragt? Wie gehe ich damit um, da ich „Tom“, wenn wir ehrlich sind, schon ein bisschen arg mochte? Es wäre komisch. Und irgendwie ist die Sache an sich ja schon anders als „normal“.

Es hatte auch gutes, ich hatte die Zügel wieder selbst in der Hand. Ich musste mich mir niemand absprechen. Konnte Termine mit einer Klinik ausmachen, ohne vorher alle Terminkalender abzugleichen? War nicht mehr abhängig. Irgendwie war es so auch leichter.

Über www.eizellspende.de  @‌eizellspende fand ich eine Klinik. Ich habe an verschiedenen Webinaren teilgenommen und mich für die, für mich sympathischsten entschieden.
Vor dem Versenden der ersten Mail war ich aufgeregt. Hoffentlich sind die nett. Keine Fabrik. Irgendwie menschlich.
Ich hatte Glück, fühlte mich gleich bei der ersten Antwort per Mail sehr gut aufgehoben.
Der erste Termin bestätigte dieses Gefühl. Nun hatte ich eine Checkliste:
Blutabnahmen,
Mammografie
Ultraschall
Verträge ausfüllen,
Anzahlung leisten
sehr gut, mit klaren Ansagen konnte ich umgehen. Es fühlte sich ein Stück weit so an, als würde man die Verantwortung für das Gelingen in fremde Hände legen. Das ist gut. Es tat gut. Beruhigt.

Alle Ergebnisse konnte ich sehr schnell liefern. Und da war er schon, der zweite Termin. Besprechung des Behandlungsplans. Wahnsinn. Es ging voran.
Ein Eisbärchen war auch schon gefunden. Trotz komischer Blutgruppe. Ich hatte es jetzt schon lieb, dabei war es gerade nur „Reserviert“. Klingt technisch, aber der Zufall oder das Schicksal wollte, dass dieses Bärchen für mich reserviert war.

Irgendwie war ich der naiven Annahme verfallen, dass eine Embryoadoption das Richtige für mich ist, da ja schließlich ein Versuch ausreichen wird.
Im August 2022 holte ich mein Bärchen ab. Nicht alles, was versprochen wurde von der Klinik eingehalten. 
Was ich gelernt habe, schon direkt beim ersten Versuch, man darf die Zügel nicht gänzlich aus der Hand geben. Verlässt man sich zu sehr auf die Klinik, ist man auch ein wenig verlassen. 
Dies gilt für alle Kliniken. Die Versprochene deutsche Koordinatorin war nicht da, hatte Urlaub. Gönn’ ich ihr, hätte ich aber gern gewusst. Vertretung war sehr nett, sprach aber lieber englisch. Normal kein Problem, in dem Moment für mich eher noch mehr aufregend. Ein versprochener Rückruf kam nicht. Auf allen Behandlungsplänen war immer ein Datum von vor zwei Jahren. Dinge, die mich maßlos geärgert haben. Die dt. Ärztin, wegen der ich mich für die Klinik entschied, nicht mehr da. 
Man legt seine Hoffnung in die Hände einer Klinik und dort sind wir ehrlich, sind wir doch nur ein Kunde unter vielen.
Der Versuch scheiterte, nicht wegen der Koordination, sondern weil es nicht mein Eisbärchen war. Egal, wie gut die Qualität der Embryonen ist, es ist dennoch immer ein Quäntchen Glück notwendig.
Ich zog positives daraus, ich hatte eine HCG Wert, er war nur bei 47, aber die Schneeflocke war da, sagte „Hallo“, und gab mir die Hoffnung, dass in meinem Uterus alles in Ordnung war. Ich konnte schwanger werden, eine wichtige Hürde war genommen.

Es stellte sich jetzt allerdings eine ernüchternde Frage: bleibe ich bei der Embryonenspende und gebe den bereits existierenden Embryonen eine Chance oder möchte ich eine eigene Spenderin und eigene Embryonen.

Der Schwabe in mir siegte, ich entschied mich für eine eigene Doppelspende und ja, auch das muss man ansprechen, ich tat dies aus Kostengründen, in der Hoffnung mehr als drei Embryonen daraus zu erhalten. Es sollte anders kommen.

Die Spenderinnensuche gestaltete sich etwas schwieriger in C19 Zeiten, zwei Spenderinnen hatten zum Zeitpunkt der Punktion die Infektion und konnten nicht antreten. Es dauerte alles gefühlt ewig.

Dann endlich eine Spenderin. Genau drei Embryonen kamen zustande.

Drei Embryonen auf Eis. Drei Versuche. Wow, das verschafft erst mal gedanklich Luft. 
Ich reiste nach Madrid und holte meinen ersten der drei Embryonen ab, doch es trat ein, was so selten passiert, eine der Schneeflocken überlebte das Auftauen nicht, da waren es nur noch zwei. Ich weinte noch bevor ich mein kleines Eisbären zu mir nehmen konnte. Eine Chance weniger, von jetzt auf gleich. Das tat weh, machte Angst und war für den Versuch auch nicht unbedingt zuträglich. Er scheiterte.
Ein HCG von 5. ich spürte, dass da nichts ist. 
Jetzt galt es, alles auf eine Karte zu setzen. Mit dem neuen dt. Arzt sprachen wir über Omega 3 und ERA Test. 
Ich begann mich zu informieren, welches Omega3 Präparat möglichst hochwertige EPA und DHA Inhaltsstoffe hat, ich wollte ja nicht nur alte Fischfett zu mir nehmen, ich begann eine Vitamin D Kur und schaffte es so, meinen bereits in Rente gegangen Eierstock wiederzubeleben. 
Den ERA habe ich aufgrund der aktuellen Studienlage nicht gemacht. Aber das Mikrobiom habe ich testen lassen mit einem Test einer Firma aus der Nähe von München. Günstiger und genauso gut. Hier sollte alles in Ordnung sein. 
Als es dann zum letzten Transfer kam, habe ich in Absprache mit meiner Klinik noch auf zusätzliche Medikament im Plan bestanden. 
September 23, eine Großartige alte Dame machte ihren Erdenplatz frei für meinen kleinen Eisbären. 
10 Tage schwankte ich zwischen alles ist vorbei und es könnte ja doch geklappt haben.

Ich machte einen Tag vor dem Bluttest einen Test, es war Wiesn in München, ich wollte sicher sein. Ich weinte vor dem Test zwei Stunden aus Angst und nach dem Test zwei Stunden aus Freude. 
Mein Bärchen war da. Es war gekommen um zu bleiben.
Es machte mir die nächsten Wochen nicht einfach.
in der 11. Woche eine Blutung, Krankenhaus, alles gut. Aber die Angst kam mit voller Wucht und blieb bis zum Ende.
Die Screenings waren ok, offenbarten aber allerhand angstmachende Dinge. 
Eine Nabelschnur mit nur einer Arterie, eine zweigeteilte Plazenta, eine Nabelschnur, mit der Eihaut verwachsen und ein sehr kleines Eisbärchen.
Übelkeit, Angst, Sodbrennen. Hatte ich mir alles schöner vorgestellt.

Düstere Gedanken begleiteten mich die gesamte Schwangerschaft über. Sogar und da muss man ehrlich sein, dass ich froh gewesen wäre, wäre es einfach irgendwann vorbei gewesen. Es ging mir so schlecht. Soziale Kontakte hatte ich nur noch via App. Unter Leute gehen viel mir schwer, entweder war mir schlecht oder ich hatte Angst, weil ich ihn nicht gespürt hatte.

Aber er entwickelte sich prächtig. Mein Frauenarzt war klasse, in den ersten 12 Wochen war ich wöchentlich da. Und danach alle zwei Wochen. Er unterstützte mich, wo er konnte. Blieb immer ruhig und versetzte mich, obwohl ich es nicht wollte in ein 50 % Beschäftigungsverbot, damit dem Krümel nichts passiert.

In der 20. Woche erzählte ich meiner Familie davon. Es war mein Weihnachtsgeschenk. Alle freuten sich wie verrückt. Keiner fragte, wie es zustande gekommen ist. Außer meiner Mutter weiß niemand zu Hause von der Eizellspende.

Mein Krümel Keks ist bei 37 + 2 nach einem Blasensprung im Mai per Kaiserschnitt zur Welt gekommen, wie vermutet war er klein und zierlich. Heute, 16 Wochen später liegt er hier neben mir. Strampelt, während ich diesen Bericht zu Papier bringe.
Ich sehe zu ihm rüber und muss unwillkürlich grinsen. Er ist ein zierlicher kleiner Krümel Keks. Er ist mein Sonnenschein.

Manchmal fühle ich mich ihm gegenüber schuldig, weil ich ihm die Chance genommen habe, seine Spender kennenzulernen. Ich hoffe auf eine Änderung des europäischen Rechts in den nächsten 18 Jahren. Er wird in dem Wissen aufwachsen, dass er unter meinem Herzen gewachsen ist, an meiner Brust getrunken hat und von mir aus tiefster Seele geliebt wird, er wird aber auch wissen, dass er eine Gen-Mutti und einen Gen-Vater hat. Lang habe ich über die Namen nachgedacht. Mutter und Vater sind für mich eher unpersönliche Worte, daher kann ich sie gut verwenden. Ich bin seine Mama und wer weiß, vielleicht findet die Mama ja auch noch einen Papa für den Krümel Keks.

Familie ist ein Gefühl von Vertrauen und Liebe, und keine genetische Verbindung.

 

 

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