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Sag´ Ich es Meinem Kinde???

  • Hallihallo,


    Ihr wolltet gerne einen eigenen Thread zu dem Thema Sagen Ja oder Nein. Wir haben dieses hier oben festgemacht und zur Diskussion freigegeben.
    Der Beitra, der das ganze angestoßen hat, ist hier zu finden: http://www.eizellspende.de/forum/index.php?topic=3207.0


    Wenn es bei uns irgendwann mal klappen sollte, werden wir es unserem Kind auf jeden Fall sagen. Wann, darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht. Allerdings denken wir, dass das Kind ein Recht darauf hat seine Abstammung zu erfahren.


    Wir werfen hier mal ein paar Gedanken ein, um die Diskussion "anzuheizen". Aber bitte nicht persönlich nehmen, diese Gedanken sind gegen niemanden persönlich gerichtet.



      [li]Nicht sagen, ist der einfache und bequeme Weg[/li]
      [li]Nicht sagen, ich schütze mich vor lästigen und unangenehmen Fragen meines Kindes und der Umwelt[/li]
      [li]Nicht sagen, ich lebe ständig in der Angst mich zu versprechen und es versehentlich auszuplaudern[/li]
      [li]Nicht sagen, habe ich dann mit der Erfüllung meines Kinderwunsch nur mein eigenes Ego befriedigt[/li]
      [li]Nicht sagen, ist es wirklich besser für mein Kind?[/li]
      [li]Nicht sagen, was ist bei evtl. später auftretenden genetischen Erkrankungen?[/li]
      [li]Nicht sagen, habe ich Angst davor, dass mich mein Kind nicht mehr liebt?[/li]
      [li]Nicht sagen, habe ich Angst vor der Reaktion der Umwelt?[/li]



      [li]Sagen, wird mein Kind mich verstehen?[/li]
      [li]Sagen, evtl. reagiert die Umwelt ja doch verständnisvoll[/li]
      [li]Sagen, ist es vorteilhaft, wenn mein Kind weiss, woher es stammt?[/li]


    Wie bereits geschrieben, dass sind Argumente/Gedanken, die uns zu diesem Thema in den Sinn gekommen sind. Wir hoffen, dass sich niemand persönlich angegriffen fühlt, das war/ist nicht in unserem Sinne.


    Viel Spass bei der Diskussion und dem Meinungsaustausch


    Ines & Chris


    PS: Noch einen schönen 2. Adventssonntag

  • Re: Sag´ Ich es Meinem Kinde???


    Hallo ihr beiden,



    erst mal ein Dankeschön für das Mitverfolgen und die Einrichtung des neuen Threads, ihr seid schnell und aufmerksam wie immer :top: .


    Allerdings hätte ich es für vorteilhafter gehalten, den Thread von Claudias Aufruf zum Treffen abzukoppeln und die Postings, die dort, aber explizit zum Thema geschrieben wurden, mit in den neuen "Sagen"-Thread zu übernehmen.


    Meiner Meinung nach sind bereits so intensive und ausführliche Antworten von Romy, von Nicky, von Meteor, von Tapabo ... geschrieben worden, die hier in diesem neuen Thread fehlen würden und so auch nicht wiederholbar sind.


    Inwieweit das natürlich technisch möglich ist, hab ich als reiner Computer-ein-und-aus-Schalter ;-) leider gar keine Ahnung :gruebel:



    Zu eurer Aufzählung nur ein paar Gedanken :


    Einfacher und bequemer Weg ?


    Das finde ich nun grade überhaupt nicht. Genau wie Romy schrieb, ist es meine Bürde, mein Päckchen. Ich kann mich nicht durch eine "Beichte" erleichtern, in einem Rundumschlag reinen Tisch machen, wenn mir grade danach ist.


    Ich würd es jetzt mal, zwar etwas abwegig, aber doch vergleichbar, mit einem lange zurückliegendem Seitensprung vergleichen. Auch wenn es für die Beziehung total bedeutungslos ist, auch wenn die Beziehung nicht durch diesen damaligen Ausrutscher, sondern dann durch diese Beichte zerstört wird, auch wenn der Betreffende weiß, daß er einen großen Fehler macht, MÜSSEN manche Menschen "die Sache ans Licht bringen", egal, wen sie damit treffen, wen sie damit verletzen und was es für Auswirkungen auf die ganze Familie hat. Ob das richtig ist ? Das hat Romy finde ich mit dem "Beicht-Trieb" sehr gut ausgedrückt.



    Natürlich habe ich Angst vor den Reaktionen der Umwelt. Aber diese Angst habe ich nicht um mich. Ich bin eine gestandene Frau, ich hab ein gesundes Selbstbewusstsein, ich komme mit Konflikten und Anfeindungen klar.
    Nein, ich habe Angst um mein Kind, das ungeschützt den Reaktionen der Umwelt ausgesetzt ist, dem Getuschel, den Klatsch, den beobachtenden Blicken, den verstohlenen Unterhaltungen über dieses ja so interessante Thema. Wie kann man seinem Kind eine Sonderrolle zuweisen, die es nicht versteht und mit der es nicht umgehen kann ?


    Jeder stelle sich doch mal seinen ganzen Verwandten- und Freundeskreis vor, das Umfeld von der Kassiererin im Supermarkt bis zum eigenen Chef vor. Wenn die nun alle von heut auf morgen Bescheid über euer Kind wüssten? Glaubt ihr wirklich, da gibt es nur wohlwollende und verständnisvolle Reaktionen ?



    Was mir bei eurer Aufzählung ganz entscheidend fehlt, ist die Frage : Was nutzt DEM KIND ? Ich möchte fast noch über Romys Feststellung hinausgehen : Das Kind gewinnt nichts hinzu, verliert aber alles.


    Bei euren Fragen geht es in erster Linie um den Blickwinkel der Eltern. Aber es ist nur das Kind wichtig, das mit so einer Eröffnung, mit so einem Boden-unter-den-Füßen-Wegziehen weiterleben muß.


    Liegt nicht ein klein wenig auch ein egoistischer Gedanke in der Aufklärung? Dem Kind irgendwann zu sagen : Schau her, ich habe so gelitten, so viele Mühen auf mich genommen, ALLES getan, damit du leben kannst ?



    Und ganz ehrlich gesagt, auch wenn ich dafür getuppert werde: Ich bin davon überzeugt, daß einige der Aufklärenwollenden , die sich jetzt im Schwangerschafts- oder im Kleinkinderstadium befinden, das ganze mit zunehmendem Kindesalter immer schwieriger und immer unmöglicher und undenkbarer finden werden.
    Und die "Es" dann solange hinausschieben , bis es wirklich unwirklich geworden ist.
    Und daß einige sich dann vielleicht wünschen würden, sie hätten in der Anfangseuphorie nicht soviele andere eingeweiht.






    Liebe Grüße und einen schönen Restadventssonntag


    von Josi

  • Re: Sag´ Ich es Meinem Kinde???


    Hallo, Ines und Chris - nur kurz was Organisatorisches: Halt, keinen Ordner zum Thema "Sagen", sondern bitte einen Ordner mit dem Titel "EZS - Psychisches und Ethisches" (oder "EZS - der Umgang damit" - oder vielleicht fällt jemandem noch ein besserer Titel ein). In diesen Ordner gehören dann alle Themen, die sich mit den psychischen/ethischen Aspekten der EZS beschäftigen. "Sagen" ist also nur eins von den Themen, die da rein passen. Viele andere aber auch.


    Der Ordner sollte auch nicht unter "Eltern" sein. Er ist ganz wichtig vor allem auch für die Forums-Neulinge, die sich dem Thema noch nähern und natürlich gerade an diesen Themen zu kauen haben. Die finden gerade zu den seelisch-ethischen Aspekten erst mal wenig Beiträge. Im Allgemein-Forum verschwinden die Dinge halt relativ fix wieder.


    Wir sollten ein paar alte threads in den neuen Ordner umheften, es gab ja schon sehr gute Beiträge. Und auch, wenn sie wie in "Treffen" ein thread einfach dahin entwickelt (das muss ja möglich bleiben), und interessant wird, dann kann man ihn ja einfach rüberschwupsen.


    Das möchte
    Romy

  • Re: Sag´ Ich es Meinem Kinde???


    Habe ich das jetzt überhaupt richtig bezeichnet? Ich möchte für "Psychisches und Ethisches" eine eigene Abteilung, so wie "Schwanger" oder "Immunologie". Ich nenne das "Ordner", aber das mag falsch sein. Ines und Chris, wisst ihr, was ich meine?


    Inhaltliches später.


    Romy

  • Re: Sag´ Ich es Meinem Kinde???


    Romy, Guten Morgen,



    so ist das eine Gute Idee.


    Ein eigener Ordner, in etwa gleichgestellt dem Ordner Medizinische Fragen, also



    Psychische und Ethische Fragen/Probleme ??


    Und auch extra hervorgehoben, wie "Medizinische Fragen" , damit ihn Neulinge auch gut entdecken . Ich glaub auch , daß nicht jeder Frischling sich gleich traut, unter den GE nachzulesen.




    Grüße


    von Josi

  • Re: Sag´ Ich es Meinem Kinde???


    Hallo nochmal, :flower:
    erstmal Danke an Chris+Ines, dass Ihr den Vorschlag aufgegriffen habt!
    Aber auch ich finde die Idee von Romy exzellent diese Diskussion - wenn möglich wie Josi sagt auch schon mit den geleisteten Beiträgen - in einen Extraordner zu legen. Denn es stimmt: GERADE am Anfang der Überlegung ob man diesen Weg beschreitet gibt es soviele Fragen und Überlegungen meist ethischer Natur. Die Frage "Sag ich es dem Kinde?" ist sicherlich nur eine davon. Als Newcomer der sich - wie ich auch anfangs - erstmal informieren will, ist so ein Thread überaus hilfreich. Die Themen die hierunter fallen sind oft Themen, die letzlich nur von anderen Betroffenen selbst beurteilt werden können. Da man hierüber nichts lesen kann und auch der Austausch mit der Umgebung inkl. Mann (der sich seine eigenen Gedanken macht) teilweise nur begrenzt stattfindet, gibt es viel Verunsicherung. Hier sind solche Diskussionen extrem wohltuend: ich bin nicht ALLEIN mit diesen Überlegungen! Und so etwas hilft sehr beim Abwägen. Ich bin noch im Warteprozeß und hoffe auf diesem Wege schwanger zu werden, habe mir aber schon grob eine Meinung gebildet wie ich wohl damit zukünftig umgehen werde - aber ich war überaus erleichert festzustellen, dass ich dabei nicht allein mit diesen Gedanken bin. Denn egal wie man sich entscheidet: leicht ist es so oder so nicht!!! Ob als "Bürde allein getragen" wie Josi es so schön formuliert hat oder im offenen Umgang gegenüber der Umwelt und dem Kind und dann mit den evtl. daraus entstehenden Konsequenzen zu leben. Solche Diskussionen können stark bei der Entscheidungsfindung helfen bzw. eine getroffene Entscheidung stützen!!! Und je früher dieser Gedankengang stattfindet um so besser für alle Beteiligten.
    Liebe Grüße
    Meteor
    P.S.: Und neben diesem Thema gibt es auch noch andere "ethische/psychische" Fragestellungen zu diesem Weg ein Kind bekommen zu wollen, die ich mir in diesem Ordner sehr gut vorstellen könnte. Nochmals DANKE für diese wirklich einmalige Möglichkeit für so eine (Diskussions)plattform!!!

  • Re: Sag´ Ich es Meinem Kinde???


    Hallo, alle,


    jetzt weiß ich gar nicht, wo ich weiterschreiben soll, hier oder in "Treffen"...


    Erst mal: ich glaube nicht, dass es eine einheitlich richtige Linie im Umgang "damit" gibt. Ich kann mir gut vorstellen, dass verschiedene Schienen "funktionieren" - je nach individuellen Umständen. Tabapos posting fand ich z.B. sehr stimmig, ich kann mir vorstellen, dass das für sie und ihr Kind wirklich der richtige Weg ist. Auch bei euch, Ines und Chris, dürfte es wohl gar keine Alternative dazu geben.


    Ich will also nicht gegen das "Sagen" als solches argumentieren, sondern nur gegen das "Sagen aus den falschen Gründen".


    Zweitens: wir stochern hier ja noch alle im Nebel. Wirklich wissen tut es noch keine von uns, denn wir haben das ja wohl alle noch vor uns. Leider haben wir ja keine "Oldies" mehr an Bord, deren Kinder bereits im entsprechenden Alter sind und die uns an ihren Erfahrungen teilhaben lassen. Ich hoffe sehr, dass wir die neuen Eltern im Forum halten können - ich denke, in einigen Jahren sind wir noch mal so aufeinander angewiesen wie jetzt beim Schwangerwerden. Wir können ja alle nicht auf Hilfe von außen zählen.


    Ich finde übrigens den Seitensprung-Vergleich ganz spannend... ich würde da nämlich auch das Nicht-Wissen vorziehen, wenn "alles in Ordnung" wäre - ich sag jetzt einfach mal, es gibt ne Art Seitensprung, ist ist ok, und eine andere, die ist nicht ok, und hoffe, ihr wisst, was ich meine. Das will ich jetzt nicht vertiefen. Vielleicht kann man mit diesem Vergleich feststellen, ob man eher der "Sagen"-Typ ist oder eher der "Verschweigen"-Typ? Mal laut gedacht - kann kompletter Blödsinn sein.


    Familiengeheimnisse lösen eine üble Dynamik aus. Sagt Hellinger. Von dem ich was halte. Aber trotzdem bezweifle ich, dass das immer und uneingeschränkt so gilt. Ich würde da jetzt mal das Thema "Schuld" als Vergleich ranziehen - es ist ähnlich; ich will damit aber nicht sagen, dass wir uns mit EZS schuldig machen. Aber Schuld hat dieselbe Dynamik. Und da würde ich ganz eindeutig sagen: Es hängt davon ab, wie man damit umgeht, zuerst mal in sich drin. Man kann mit seiner eigenen Schuld im Reinen sein oder nicht. Und ich behaupte mal: Wenn man damit selbst im Reinen ist, dann gibt es auch keine üble Dynamik mehr. Dann kann Schuld sogar segensreich wirken. Unbearbeitete, vor sich selbst weggedrängte, weggelogene und doch gefühlte Schuld hingegen kann ganze Leben zerstören.

    Ich glaube also, dass es auf diese innere Haltung zum "Familiengeheimnis" ankommt.


    Und ich glaube, dass "Bekenntnisse" ein ähnliches Gefahrenpotential haben wie "Geheimnisse".


    Wir werden also sorgfältig reden oder sorgfältig schweigen müssen...



    Hier noch einige Gedanken zu Ines' und Chris' Aufzählung.


    Nicht sagen, ist der einfache und bequeme Weg


    Das stimmt, es ist einfacher. Das sollte Anlass zum Misstrauen gegen sich selbst sein, aber es ist kein K.o.-Argument. Nur weil etwas schwieriger ist, ist es nicht zwangsläufig auch besser.


    Nicht sagen, ich schütze mich vor lästigen und unangenehmen Fragen meines Kindes und der Umwelt


    und vor allem mein Kind!


    Aber es geht hier nicht um "Lästiges" und "Unangenehmes" - das sind die falschen Kategorien. Zu leicht. Es geht hier um Existenzielles. Unsere eigene existenzielle Not der ungewollten Kinderlosigkeit hat uns zu dem Schritt bewegt. Für unsere Kinder hängt eine ebenso existenzielle Identitätsfrage daran. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass für das Kind eine Welt zusammenbricht. Das ist einfach eine andere Liga.


    EZS lässt sich Außenstehenden kaum erklären. Wer nicht den Weg dahin mitverfolgt hat, mitgelitten hat, der kann das nicht nachvollziehen. Ich würde nie von jemand Außenstehenden Verständnis erwarten, es ist einfach zu "far out". Noch viel weniger würde ich erwarten, dass mein Kind das jemals verstehen könnte.


    icht sagen, ich lebe ständig in der Angst mich zu versprechen und es versehentlich auszuplaudern


    Das kann ich nicht nachvollziehen. Es ist unser leibliches Kind, wir waren schwanger, gebaren und stillten - darüber können wir ganz normal mitreden, und auch wir prägen unsere Kinder und geben ihnen etwas mit, sodass ein "Das hat es von mir" genauso fallen kann (und sollte) wie in jeder anderen Familie... Und speziell über ihre Eizellen reden Frauen doch recht selten!


    Nicht sagen, habe ich dann mit der Erfüllung meines Kinderwunsch nur mein eigenes Ego befriedigta


    Was denn sonst? Natürlich habe ich das in erster Linie um meiner selbst willen getan. Ob "Ego" jetzt den Teil von mir, der mich dazu trieb, wirklich beschreibt, ist eine andere Frage. Aber ich bekam mein Kind um meinetwillen, um meine eigene Not zu heilen. Die Welt wäre auch ohne meine Aufzuchtqualitäten zurechtgekommen, und die Nicht-Geborenen beschweren sich nicht.


    Nicht sagen, ist es wirklich besser für mein Kind?


    Oder: Sagen, ist es wirklich besser für mein Kind? Das genau ist ja des Pudels Kern.



    Nicht sagen, was ist bei evtl. später auftretenden genetischen Erkrankungen?


    Diesen Aspekt halte ich für völlig überschätzt. Ich habe noch bei keiner einzigen Erkrankung bei niemanden, den ich kenne, mitgekriegt, dass auch die Eltern untersucht werden mussten oder die "Genetik" mehr bedeutet hat als die Frage "Gibt es Diabetes in der Familie?" - und das sind zwar hilfreiche Informationen, aber ohne die geht es auch. Wer "schweigen" will, der muss in einer solchen Situation halt mal lügen. Sowieso: Alle Schweiger werden in Situationen kommen, in denen sie lügen müssen oder sollten. Wer das nicht kann oder sich damit zu sehr belastet, der ist vielleicht mit "Sagen" besser dran - oder mit dem Verzicht auf EZS.


    Nicht sagen, habe ich Angst davor, dass mich mein Kind nicht mehr liebt?


    Mit Sicherheit wird eine solche Eröffnung das Verhältnis für immer verändern. Das sollte einem klar sein.



    Nicht sagen, habe ich Angst vor der Reaktion der Umwelt?
    Das klingt ein bisschen nach bloßer Feigheit, die man besser überwinden sollte. Aber: Angst kann sehr berechtigt sein und ein guter Ratgeber.



    Sagen, wird mein Kind mich verstehen?


    Mit Sicherheit nicht. Das sind hochintime, hochkomplexe Fragen, die nur jemand verstehen kann, der über Lebenserfahrung verfügt und in seinem Leben bereits einmal schwer gelitten hat.


    Und: Diese Erwartung finde ich bereits vermessen. Das ist viel zu viel erwartet von einem Kind a) weil es noch ein sehr junger Mensch ist und b) weil es "der Geschädigte" ist. Und der Wunsch nach Verständnis - so verständlich er ist - ist ein ganz schlechter Ratgeber bei der Frage: Sagen oder nicht sagen.


    Sagen, evtl. reagiert die Umwelt ja doch verständnisvoll


    und wenn nicht? Umziehen?
    Hier scheint mir wieder das Risiko zu lapidar eingeschätzt. Es geht um viel mehr. Ein Wort lässt sich, einmal ausgesprochen, nicht wieder zurücknehmen. Es muss einem klar sein: das ist eine Einbahnstraße. Solche Hoffnungen auf "Verständnis, evtl..." sind zu vage. Man muss vorher ganz und gar sicher sein, dass die Umwelt positiv reagiert - denn es ist die Umwelt, in der ein zartes Kind weiter leben muss. Und wieviel man da realistischerweise erwarten sollte? Ich selber hätte etwa ein Jahr vor meiner ersten EZS - nach 5 fehlgeschlagenen ICSIs - EZS noch kategorisch ausgeschlossen und garantiert kein "Verständnis" dafür aufgebracht.


    Sagen, ist es vorteilhaft, wenn mein Kind weiss, woher es stammta


    Das weiß es ja eben nicht. Es weiß dann nur, woher es nicht stammt. Und mit der Ungewissheit muss es den Rest seines Lebens leben.



    Ich meine:
    Sagen, ja: wenn einem das ganz selbstverständlich ist und man es auch ganz selbstverständlich rüberbringen kann. Wenn man damit selber ganz im Reinen ist . Wenn man sich selber auch mit der EZS leicht getan hat und diesen Schritt als nicht besonders schwer empfand. Wenn das Umfeld die Versuche mitbekommen hat. Wenn andere "Spende"- und "Adoptions"-Kinder offen damit umgehen und Teil des Familienlebens sind, das Kind also nicht alleine in einer solchen Position ist.


    Sagen, nein: weil man Verständnis erwartet. Weil man sich erleichtern möchte. Weil man reinen Tisch machen möchte. Weil man Vergebung erhofft. Weil man allgemein denkt: Jedes Kind sollte seine Herkunft kennen. Oder: Familiengeheimnisse wirken immer unheilvoll.


    Schweigen ja: wenn man befürchten muss, dass für dieses Kind eine Welt zusammenbrechen könnte. Wenn man Grund zur Befürchtung hat, dass es durchsickert und zu einem Exotenstatus (oder schlimmeren) führen könnte. Und auch: wenn alles in Ordnung ist. (Don't fix it if it isn't broken)


    Schweigen, nein: wenn man spürt, dass das Kind von einer tiefgreifenden inneren Unruhe gepackt wird. Ich habe das bei meinem Adoptivbruder mitbekommen. Es gibt da eine Art "Suchen", die gefährlich werden kann. Wenn so etwas bei meiner Tochter auftritt, werde ich mich outen. Dann muss es sein.



    Soweit der Roman der müden, grüßenden


    Romy

  • Re: Sag´ Ich es Meinem Kinde???


    Kurz zu Eurer Info,


    wir werden morgen, spätestens übermorgen den neuen Bereich schaffen.
    Ihr könnt also gerne hier weiterposten, dieses Posting werden wir dann wieder löschen.
    Sendet uns doch bitte die Threads, welche in den Bereich verschoben/kopiert werden sollen.


    Ines & Chris

  • Re: Sag´ Ich es Meinem Kinde???


    Hallo, Ihr Lieben,


    als bei uns die Entscheidung fuer eine EZS fiel, haben wir uns sehr intensiv mit der Ethik um dieses Thema auseinander gesetzt, also auch damit, ob das Kind um die EZS wissen sollte. Während wir zunächst dachten dass es wichtig sei, dass das Kind davon wisse, weil es ein Recht auf seine Herkunft hat, glauben wir jetzt eher, dass dies vielleicht eher Schaden anrichten könnte, weil seine genetische Mutter ja unbekannt ist. Ich denke, wir werden in Zukunft nach dem Kindeswohl entscheiden, wenn wir denn in die glückliche Lage kommen, auf diesem Wege Zuwachs zu bekommen.


    Das Recht auf seine Herkunft können wir hier dem Kind garnicht geben, weil die Spende üblicher Weise anonym ist. Und dies liegt an der deutschen Gesetzgebung und dem Verbot der EZS, daß es eben dadurch keine EZS- Bank entsprechend einer Samenbank gibt, wo sich unsere Kinder später über ihren genetischen Ursprung informieren könnten.


    Müssten wir dann nicht vielmehr konsequenter Weise gleich ganz auf diesen Weg der EZS verzichten, wenn wir keine uns bekannte Spenderin haben? Oder eben den Nachwuchs nicht mit dieser "Kleinigkeit" unbekannter Muttergene belasten? Wir könnten ihm ohnehin nichts über seine mütterlichen Gene erzählen. Wozu also verunsichern?


    Für uns könnte es hilfreich sein, hier Erfahrungsaustausch mit Eltern zu haben, die Kinder aus Samenspende haben. Oder auch mit dem mittlerweile erwachsenen Nachwuchs derer. Da gibt es langjährigere Erfahrungen, die sich aber wohl gut auf EZS übertragen liessen.


    Eigentlich verhindert die deutsche Gesetzgebung mit der Absicht, jedem Menschen sein Recht auf seine Herkunft zu sichern genau dies, daß auf legalem Weg eine EZS im Nachhinein für unsere Kinder nachvollziehbar wäre. Ethisch sehe ich in einer EZS nichts anderes als in einer Samenspende. Unsere Gesetzgebung handhabt sie aber völlig unterschiedlich.


    In einem legalen Umfeld sind gespendetes Sperma und EZ geschützer, weil die Reproduktionsmediziner über jedes entstandene Kind und seine genetische Abstammung Buch führen müssen und nicht einfach mal nach Gutdünken Eizellen oder Sperma ohne Wissen eventuel unfreiwilliger Spender für ihre Zwecke abzweigen können.


    Und ganz pragmatisch liegt unsere Verantwortung hier: letzten Endes geht es bei dem Wissen um die Herkunft darum, Erbschäden durch Inzest unter Geschwistern/Verwandten zu verhindern. Aber in unserem Fall können eigentlich maximal Halbgeschwister entstehen, die sich vielleicht irgendwann einmal als Paar finden könnten.
    Und bei Halbgeschwistern ist die Wahrscheinlichkeit eines Gendefektes gemeinsamen Nachwuchses in etwa so groß wie bei einer über 40jährigen Frau, die auf normalem Weg von einem Nichtverwandten schwanger wird (so weit ich weiß, ich lasse mich da gerne eines Besseren belehren...).


    In einem Fall von Leukämie in der Familie könnten sich echte Geschwister gegenseitig Blutstammzellen spenden, wenn sie Glück haben. Aber auch bei ihnen kann es sein, dass es genetisch nicht paßt und nicht funktioniert. Man kann das Nabelschnurblut für solch einen Fall deponieren lassen.


    Spannender wäre für mich eventuel, mehr über Begabungen der genetischen Mutter und ihrer Vorfahren zu wissen, um das Kind optimal zu fördern. Auch dies wäre in einem legalen Umfeld leichter. Wie man in den USA sieht, kann dies allerdings auch zu seltsamen Stilblüten führen (wie sich gewünschte genetische Eigenschaften zusammen kaufen wie bei einer Autobestellung). Aber ob und inwieweit das Kind diese Fähigkeiten dann tatsächlich als Veranlagung mitbringt oder nicht, weiß wie bei einem Kind aus den eigenen Genen wohl nur der liebe Gott.


    Bei all diesen Fragen interessiert mich letztlich nur eines:
    Dient es der Liebe?
    Es geht doch darum, dem Kind liebevolle Eltern zu sein.
    Fehlt die Liebe, weil ein Kind nicht direkt aus der Umarmung eines Paares entstanden ist? Nein, ich finde es gehört mehr Liebe dazu, diesen steinigeren Weg als Eltern zu beschreiten. ..


    In diesem Sinne, Euch allen alles Liebe
    Queen
    :tannenbaum:

  • Re: Sag´ Ich es Meinem Kinde???


    Ines und Chris, löscht diesen thread nicht, sondern schubst ihn in den neuen Bereich rüber. Dorthin bitte auch den thread "Treffen" , den thread "Hellinger" von Queen und meinen uralten "Sagen oder nicht" - da waren auch ganz viele Beiträge gekommen.


    Ach, und die "Fragen an EZS-Eltern" sowie "Probleme in der Partnerschaft" , die beiden Abteilung könnte man bei der Gelegenheit getrost schließen. Werden nicht benutzt.


    Gruß, danke
    Romy

  • Re: Sag´ Ich es Meinem Kinde???


    Hallo,





    das wär dann also mal






    1. dieser Thread von Romy eröffnet,:


    http://www.eizellspende.de/forum/index.php?topic=836.0,





    2. den Treffen-Thread, evtl. nur mit dem Aufruf von Claudia, und dann ab meinem Beitrag, ?





    3. dieser "Sagen" - Thread hier ,




    4. sehr interessant ist auch dieser von Bimboli eröffnete Thread zum Thema "Unsicherheit ", der gehört auch mit zu dem Themenkreis :


    http://www.eizellspende.de/forum/index.php?topic=3325.0




    5. der Thread "Familienaufstellung" von Queen


    http://www.eizellspende.de/forum/index.php?topic=3217.0




    und wenn sich evtl . noch jemand an noch ältere Postings dazu erinnern kann ?

  • Re: Sag´ Ich es Meinem Kinde???


    Hallo,


    vor 2-3 Jahren kam ich über eine Internet-Bekannte aus langen KIWU-Tagen hier an. Bis zum Herbst 2006 habe ich hier nur gelesen, weil ich immer dachte, ich gebe eh bald auf und es lohnt sich nicht, mich hier noch zu regstrieren. Na ja immer noch habe ich Zweifel, aber mittlerwiele teile ich meine Erfahrungen hier mit euch. Die Sparte hier habe ich übrigens komplett übersehen. Vielleicht wäre ein Hinweis auf der "Allgemeinseite" nicht schlecht.


    Bevor wir uns zur Ez-Spende entschlossen, habe ich den thread ums Sagen sorgfältig gelesen und mich immer wieder damit beschäftigt. Ich kann hier nur einen theoretischen Standpunkt einnehemen und Vorstellungen formulieren, wie es dann sein würde, kann ich nicht sagen.


    In unserer langen KIWu-Zeit (14 Jahre) waren wir eine Zeit über Adoption nachgedacht. Nachdem ich damals das Buch "wo komme ich eigentlich her" gelesen hatte, haben wir das Thema Adoption fallen lassen und dann ja auch zwei eigene Kinder bekommen.


    Das Buch beschreibt die Suche einer Adoptierten nach ihren leiblichen Eltern. Sie hatte erst als siebzehnjährige erfahren, dass sie adptiert war. Eine Unsicherheit und eine Vorahnung hatte sie immer. Dieses "ahnen" aber nicht wissen, stellte ich mir schrecklich vor. Dann waren die leiblichen Eltern irgendwann gefunden, aber die Frau fand nicht das, was sie gesucht hatte.


    Ich fand die Geschichte so traurig, dass ich mich nicht in der Lage sah, ein adoptiertes Kind auf seiner Identitätsssuche zu begleiten.


    Als mit der EZ-Spende weider das Thema zur Sprache kam, habe ich für mich beschlossen, aus einem zunächts vagen Gefühl heraus, es dem Kind zu sagen.
    Mittlerweile habe ich mich, soweit es welche gibt, Infos , Bücher und Fernsehdokumentationen gelesen und gesehen und kann es für mich begründen. Ich weiß aus euren Beiträgen, dass das alles individuell zu sehen ist, weil jeder eine andere Geschichte, einen anderen Charakter hat.


    Bestärkt haben mich eine Psychotherapie, die ich seit fast 2 Jahren mache (der KIWU hat mich zeitweise psychisch sehr belastet). Mir ist klargeworden, dass nichtausgesprochenes für Betroffene sehr wohl wahrnehmbar ist und das die Verunsicherung darüber sehr viel Schaden anrichten kann. Bestätigt hat mich darin ein Buch, das ich kürzlich gelesen habe "wieviel Wahrheit braucht mein KInd".


    Dann habe ich vor einiger Zeit eine Dokumentation über einen 25 jährigen Mann gesehen, der durch Samenspende "entstanden" ist. Durch die absolute Offenhiet seiner Eltern und das "lockere" Umgehen damit, hatte er überhaupt keine Probleme mit seiner "unklaren" Herkunft.
    Das hat mich sehr beeindruckt und ich hoffe, wir können es schaffen eine ebensolche Atmosphäre für den Fall herzustellen.


    Durch mein Alter und mein offenes Auftreten am Anfang meiner Reprozeit habe ich viel Ablehnung und Unverständnis erfahren. Wie weit wir also da mit Informationen gehen werden, weiß ich nicht. Allerdings habe ich die vielleicht zu idealistische Vorstellung, dass wenn das Tabu vom Thema genommen würde und wenn alle den "Anfangsschreck" verdaut haben, ein normales Leben mit unseren Kinder möglich ist.


    Liegt es nicht an uns?


    Nachdenkliche Grüße
    Wolke

  • Re: Sag´ Ich es Meinem Kinde???


    Liebe Wolke, das ist ein toller Beitrag. Danke dafür.


    Ich glaube auch, dass die "richtige" Lösung von Familie zu Familie anders aussehen wird; also dass es Personen und Konstellationen gibt, wo "sagen" die richtige Variante ist und solche, wo "Schweigen" die bessere Lösung ist.


    Halt uns auf jedem Fall auf den Laufenden, wenn es soweit ist! Wir sind ja gerade auf diejenigen angewiesen, die schon etwas größere Kinder haben. Wir brauchen unbedingt Erfahrungsaustausch in diesem Punkt, denn konkrete Information werden wir nirgends bekommen. Wir sind also auf uns gegenseitig angewiesen.


    Viele Grüße
    Romy

  • Re: Sag´ Ich es Meinem Kinde???


    Hallo Wolke,



    erst mal Glückwunswch dazu, daß du dich entschlossen hast, zur Verwirklichung deines Wunsches an anderer Stelle weiterzumachen.
    Und was das Alter anbelangt : Du fühlst dich jung und fit genug, und das alleine zählt.


    Was ich zu deinem Posting noch anmerken möchte:


    Ich persönlich finde, man kann ein Kind aus EZS entstanden überhaupt nicht mit einem adoptierten Kind vergleichen. Damit möchte ich auf keinen Fall sagen, daß man ein adoptiertes Kind nicht ebensosehr lieben könnte , das kann man unter entsprechenden Voraussetzungen ganz bestimmt.


    Aber es besteht ein Unterschied zwischen einem "fertigen" Kind mit einer eigenen Familie, eigenem Namen und bereits fertiger eigener Identität, das einem irgendwann "zugeteilt" wird ,
    und einem Kind, das man selber empfängt, austrägt und zur Welt bringt.


    Und was diese "Ahnungen" von adoptierten Kindern betrifft, ist meine ganz persönliche Meinung dazu, daß diese Ahungen nur in den allerallerseltensten Fällen aus dem Innersten des Kindes selber , ohne einen Einfluß von Außen, kommen. Von einer Adoption weiß doch meist das ganze Umfeld, Verwandte, Freunde usw. Ich glaube eher, daß diese Ahnung, daß da "etwas nicht stimmt", aus den Interaktionen mit der Umwelt herrührt, aus geflüsterten Bemerkungen, aus verstohlenen Blicken, aus Andeutungen etc.


    Ich halte es auch für möglich, daß man als Eltern nicht zu jedem Adoptivkind dieses unsichtbare Band, dieses selbstverständliche "mein-Fleisch-und-Blut, für-dich-würde-ich-mich-vierteilen-lassen-Gefühl" aufbauen oder herstellen kann, und daß ein feinfühliges sensibles Kind das wohl wirklich spüren kann.


    Bei den EZS-Müttern hier im Forum habe ich bei jeder das Gefühl, daß sie ihr EZS-Kind ohne wenn und aber als ihr eigen Fleisch und Blut bezeichnen würde, im übertragenen Sinne ;-).



    Daß es Einzelfälle bei Ado oder Spende gibt, die damit kein Problem haben, will ich gar nicht bestreiten. Aber die sehr große Mehrheit hat wohl große Probleme damit, zumindest in einem bestimmten Lebensabschnitt. Sonst würde es ja für Adoptierte und für Adoptiveltern nicht soviele regalwandfüllende psychologische und esoterische Ratgeber, soviele Foren und Selbsthilfegruppen und soviele Therapieplätze geben.



    Ich befürchte auch, daß es bestimmte Themen in der Gesellschaft gibt, die immer mit Tabus behaftet bleiben werden. Und ich denke wirklich, daß es sehr idealistisch gedacht ist zu glauben, Vorurteile , Ignoranz und Halbwissen würden sich irgendwann von selber in Luft auflösen. Es wird trotz aller Aufklärung und Wissensübermittlung immer zwei Arten von Menschen geben, die einen vorurteilsfrei und tolerant, und die anderen, engstirnig und ablehnend. Und deshalb würde ich mein Kind auf keinen Fall der Rolle des "Vorkämpfers" aussetzen. Es in diese Rolle zu drängen, ihm diese ungefragt zuzuteilen, ist für mich eine größere Persönlichkeitsverletzung als es das Nicht-Sagen jemals sein könnte.



    Interessant wären wirklich die Berichte der Aufklärungs-Eltern, die mit großen Kindern, die die Tragweite auch wirklich begreifen, gesprochen haben. Die ungeschminkt berichten, was für Probleme, Auseinandersetzungen oder auch innige Momente sie dadurch erlebt haben. Was es für die Familie bedeutet und ob sie immer wieder so oder doch ganz anders handeln würden. Darauf bin ich wirklich auch gespannt.




    Liebe Grüße


    von Josi

  • Re: Sag´ Ich es Meinem Kinde???


    Hallo,


    ich werde "es" meiner Tochter sagen, sobald sie andeutet, dass sie sich "darüber" Gedanken macht.


    Ich glaube, so wie in einer Partnerschaft beide Partner auch über alles Bescheid wissen, was nicht ausgesprochen wird, spürt ein Ez-Kind, dass etwas Besonderes bei seinem Werden im Spiel war. Ich glaube, es spürt das Geheimnis und ist dadurch irritiert und möglicherweise belastet, wenn es ungelüftet bleibt.


    Aus diesem Grund habe ich meiner Tochter in Gedanken - noch nicht in Worten - bereits mitgeteilt, dass sie zwei Mütter hat, die sie lieben und unterstützen: die genetische Mutter, die eine Eizelle gegeben hat, die mit dem Samen ihres Vaters verschmolzen wurde, und mich, die sie ausgetragen hat. Und dass wir beide wünschen und alles dafür tun werden, dass sie ein gutes und erfülltes Leben haben wird.


    Wenn es stimmt, dass Kinder sich ihre Eltern aussuchen, haben Ez-Kinder ihre besondere Situation gewollt und herbeigeführt, um sich verdeckt oder offen in dieser Welt als Ez-Kinder zu bewegen. Ich könnte mir vorstellen, dass das so ist. Gleichzeitig ist das auch gutes Argument für die Eizellspende.


    Liebe Grüße
    Valerie

  • Re: Sag´ Ich es Meinem Kinde???


    hallo ihr alle!


    auch mich treibt die frage "sagen oder nicht" um.


    vielleicht könnte es ein weg sein, die spenderin als erzeugerin zu bezeichnen, denn mutter sind wir, oder hat eine spenderin unserem kind gegenüber mütterliche gefühle?


    danke an alle, die in disem thread schrieben und schreiben werden. mich überzeugt der gedanke, nur zum wohle des kindes zu entscheiden und dies kann ein ja oder nein beinhalten.


    kennt jemand literatur zu dieser frage aus anderen ländern, in denen ezs legal ist?


    viele grüße


    herzchen

  • Re: Sag´ Ich es Meinem Kinde???


    Hallo zusammen,


    das ist wirklich ein sehr interessantes Thema, mit dem auch wir uns von Anfang an beschäftigt haben - bevor wir mit Eizell- und Spermaspende begonnen haben. Aber auch als ich dann schwanger wurde, hatte ich dazu immer noch keine definitive Antwort für uns. Für uns gibt es derzeit weder das eine noch das andere. Wir lassen es einfach offen und auf uns zukommen. Wir machen es von unseren Kindern abhängig.


    Ich glaube, daß man ein absolutes Feingefühl entwickelt für sein Kind und dessen Bedürfnisse und ich bin überzeugt, daß man als Mutter (oder Vater) spürt, wenn etwas im argen liegt und Klärungsbedarf ansteht. Ich halte nichts davon, von vorneherein zu sagen: Ich mache es jetzt so oder so. Jedes Kind ist auch anders - darauf habe ich mich einzustellen. Ich möchte nicht, daß die Welt meines Kindes durcheinander gerät, weil ich mich dazu verpflichtet fühle, die Art und Weise der Entstehung meiner Kinder preiszugeben. Ich werde darauf ein Auge haben - und reagieren, wenn es mir nötig erscheint.


    Adoption ist für mich eine doch etwas andere Schiene. Da hat man sein Kind nicht wirklich von Anfang an. Es war in einem anderen Bauch und hat möglicherweise frühkindliche Fremderfahrungen hinter sich. Gerade diese Phase prägt natürlich und ist ganz sicher mit ganz anderen Gesichtspunkten und Fragen verbunden. Insofern wage ich es nicht, alles über den gleichen Kamm zu scheren bzw. zu vergleichen.


    Ich denke, daß man in Sachen Entscheidung "Sagen - Nicht sagen" auf sich, seine Intuition und sein Gefühl vertrauen sollte. Ich glaube, das Wichtigste ist, daß man hinter dieser Entscheidung auch steht. Es bedarf so oder so an großer Kraft. Einen einfachen Weg gibt es nicht, denn alles ist mit Fragen gespickt, egal in welche Richtung in nun gehe. Deshalb ist es in meinen Augen immer individuell zu betrachten und es gibt keine praktische Kompaktlösung, die mir garantiert, daß es dem Wohl meines Kindes förderlich ist.

  • Re: Sag´ Ich es Meinem Kinde???


    Wollte noch anfügen, daß auf der Seite der Klinik Ava Petersburg dazu Bezug genommen wird. Es gibt Argumente für und gegen die Aufklärung. Das wird dort sehr schön und ohne Wertung beleuchtet.


    Evtl könnte man die Therapeutin Petra Thorn zu der Problematik befragen. Sie arbeitet sehr viel mit Paaren, die DI in Anspruch genommen haben. Macht auch Seminare für Eltern, wie und wannman die Kinder am besten aufklärt. Möglicherweise hat sie auch erste Erfahrungen mit EZS? Das weiß ich aber nicht.
    Hmm, vielleicht sollte ich sie einfach mal anschreiben und das fragen?